Was ist eine leichte Depression?

Depressionen gehören in das Kapitel der "Affektiven Störungen" im Klassifikationssystem der psychischen Störungen. Von affektiven Störungen redet man dann, wenn die Gefühlswelt, das Gemüt und der Antrieb eines Menschen sozusagen völlig aus den Rudern gerät. So sind die Betroffenen einer Depression wie in einer Blase gefangen, die gefüllt ist mit gedrückter Stimmung. Eine Verminderung der Freude, des Antriebs und der Aktivität sind an der Tagesordnung.

Bei der Diagonse einer Depression unterscheidet man drei Einstufungsgrade: die leichte depressive Episode, die mittelgradige depressive Episode und die schwere depressive Episode. Für die Einstufung sind ganz klare Kriterien festgelegt, die sich aus der Summe der vorhandenen Symptome der betroffenen Person ergeben. Zur Diagnose einer leichten Depression muss sich eine Gesamtzahl von mindestens vier ergeben, die sich aus der Summe der Hauptsymptome + Nebensymptome zusammensetzt. Jedoch muss eine Grundvoraussetzung zur Diagnose "Depression" beachtet werden, nämlich, dass die Symptome für mindestens zwei Wochen anhaltend in Erscheinung getreten sein müssen und diese nicht im Zusammenhang mit einer (hypo-)manischen Störung, dem Missbrauch von Drogen oder gar einer organischen Störung gebracht werden können.

Summe der Diagnosekriterien:

Bei der leichten Depression muss die Grundvoraussetzung erfüllt sein.

Bei der leichten Depression müssen von den folgenden drei Hauptsymptomen:

  1. Depressive Stimmung
  2. Interessen- oder Freudeverlust
  3. Antriebslosigkeit, Ermüdbarkeit

mindestens zwei aufgetreten sein.

Und zusätzlich muss von den folgenden sieben Nebensymptomen:

  1. Verlust des Selbstwertgefühls
  2. Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle
  3. Gedanken an Tod oder Suizid
  4. Konzentrationsschwierigkeiten oder Unschlüssigkeit
  5. Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (Betroffene ist entweder sehr agil oder kaum, bzw. beides im Wechsel)
  6. Schlafstörungen
  7. Appetitverlust oder Appetitsteigerung

mindestens ein Nebensymptom aufgetreten sein, wenn es bei den Hauptsymptomen drei sind - bzw. mindestens zwei Nebensymptome, wenn es bei den Hauptsymptomen zwei sind.

Desweiteren gibt es noch einen Pool von explizit biologischen (somatischen) Symptomen, die typischerweise bei vielen Personen mit Depressionen auftreten. Neben dem hier erwähnten Libidoverlust (die Unlust an sexueller Aktivität) sind das die bereits oben erwähnten Symptome wie Schlafstörungen, Affektivitätsstörungen und Appetitstörungen, allerdings in präziserer Benennung (z. B. Früherwachen zwei Stunden vor der gewohnten Zeit, Gewichtsverlust von 5 % im vergangenen Monat etc.).

Im Gegensatz zu den depressiven Episoden höheren Grades (mittel und schwer), sind die Betroffenen der leichten Depression zwar aufgrund der körperlichen und psychischen kräftezehrenden Symptome beeinträchtigt, jedoch durchaus noch in der Lage den Alltag zu meistern. Oftmals ist der Auslöser der leichten depressiven Episode ein belastendes Ereignis, wie beispielsweise eine Trennung, Scheidung, ein Todesfall in der Familie, der Verlust des Arbeitsplatzes etc. In der Regel wird bei der leichten Depression von den Fachärzten noch kein Antidepressiva verschrieben, da eine baldige Genesung wahrscheinlich ist. Nicht selten entwickeln sich aus einer leichten Depression aber weitere Störungen, wie beispielsweise der vermehrte Konsum von Alkohol oder Isolation. Es gilt: Je früher man sich Hilfe und Unterstützung sucht, desto besser für die eigene Gesundheit. Bitte klären Sie auch unbedingt bei Ihrem Arzt ab, ob die Symptome nicht doch eine körperliche, organische Ursache haben können. Beispielsweise sind Stimmungsschwankungen und Gewichtsverlust mögliche Anzeichen für eine Stoffwechselerkrankung, die selbstverständlich anders zu behandeln ist als eine Depression.

Ein Tipp zum Schluss: Sollte sich bei Ihnen eine leichte Depression als Diagnose ergeben haben und Sie fassen daraufhin den Mut sich professionelle Hilfe zu Rate zu ziehen, aber Sie werden mit einer längeren Wartezeit vertröstet, dann versuchen Sie bitte in dieser Zeit so oft wie möglich nach draußen in die Natur zu gehen! Die Bewegung, die frische Luft und die Schönheit der Natur werden zu mehr Wohlbefinden beitragen (siehe Blogeintrag Waldbaden). Und wenn Sie Glück haben und die Sonne dazu vom Himmel scheint, dann hellt diese zusätzlich die Gemütslage auf. 

Außerdem achten Sie darauf, selbst wenn Ihre Energie quasi gegen Null läuft, dass Sie trotzdem Ihre Zähne putzen und den Zahnarzt besuchen. Sehr oft gehen die Zähne in dieser Zeit der Depression kaputt, da man einfach zu müde und erschöpft für die tägliche Zahnpflege ist. Aber denken Sie daran: Selbst, wenn es für Sie in der jetzigen Lage kaum vorstellbar ist, dass Sie die Depression jemals überwinden werden und irgendwann wieder in den "normalen" Alltag mit Interesse an sozialen Kontakten zurückkehren, ist es in der Regel doch sehr wahrscheinlich. Viele Menschen überwinden Ihre Depression, selbst wenn Sie das niemals für möglich gehalten haben. Die schlechten Zähne, bedingt durch die Energielosigkeit der depressiven Phase, kann man selten ganz verbergen. Das wiederum kann dazu führen, dass man sich nicht vollständig wieder in den Alltag integrieren kann und die Depression nicht vollständig überwunden werden kann. Scham, mangelnder Selbstwert, Meidung sozialer Kontakte - der Kreislauf beginnt! Abgesehen davon können Karies und Parodontose auf das gesamte körperliche Empfinden Auswirkungen haben, wie zum Beispiel starke Kopfschmerzen und Mundgeruch, um zwei der harmloseren zu nennen. Aber schon alleine diese beiden Symptome erschweren es immens, sich aus einer depressiven Phase herauszuholen. Fazit: Bei der Einteilung Ihrer Tagesenergie unbedingt an die Zähne denken. Nach der depressiven Phase ist ein Kopf schnell gewaschen, ein Bart schnell rasiert. Die Zahnreparatur ist aber unangenehm und teuer! Trotzdem machbar. Vertrauen Sie sich bitte Ihrem Zahnarzt an.


© Text. Autor: Sandra Ernst – Vervielfältigung und Weitergabe untersagt.

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