Zu viel Alkohol? Ab wann beginnt Abhängigkeit?

Welche Menge Alkohol ist für meine Gesundheit unbedenklich?

Um es gleich vorwegzunehmen: Am besten trinken Sie gar keinen Alkohol!

Aber völlig abstinent leben wahrscheinlich nur die wenigsten Menschen unter uns. Für alle anderen ist es wichtig, ihren Alkohlkonsum im Blick zu behalten, denn der Weg in die Abhängigkeit ist ein schleichender Prozess, und die Abkehr oft sehr schwer. Nun gut! Wieviel darf ich denn nun trinken, damit mein Konsum nicht meine Gesundheit bedroht oder ich gar in die Abhängigkeit abrutsche und als Alkoholiker(in) gelte? Es gilt hier ein Wert, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als einen Richtwert für eine gesunde erwachsene Person zur Orientierung festgelegt hat. Dieser Richtwert besagt, dass man sich im risikoarmen Bereich bewegt, wenn man die folgende Menge pro Tag nicht überschreitet und zusätzlich mindestens zwei Tage in der Woche ganz auf Alkohol verzichtet:

Frauen können ca 10 bis 12 Gramm Alkohol pro Tag konsumieren (= Bier 0,25 l, Wein 0,1 l).  

Männer können ca. 20 bis 24 Gramm Alkohol pro Tag konsumieren (= Flasche Bier 0,5 l, Wein 0,2 l).

Und? Wie sieht es bei Ihnen aus? Trinken Sie schon über einen längeren Zeitraum täglich mehr Alkohol als die oben genannte Menge? Achtung, denn in diesem Fall könnten Sie entweder gefährdet sein in die Abhängigkeit abzurutschen oder eventuell schon vom Alkohol abhängig sein. Bitte nehmen Sie in beiden Fällen Kontakt mit einem Arzt Ihres Vertrauens auf, um diese gesundheitsgefährdende Angewohnheit wieder abzustellen. Ebenso sind Suchtberatungsstellen, die es in jeder Stadt gibt und Ihre Anonymität bewahren, empfehlenswerte erste Anlaufstellen, um nicht mehr mit dem Problem allein zu sein.

 

Wie erkenne ich, ob ich alkoholabhängig bin?

Die Alkoholabhängigkeit vollzieht sich in einem schleichenden Prozess über mehrere Jahre hinweg. Im Durchschnitt reichen zwei Jahre konsequentes Trinken im risikoreichen Bereich aus (also stets über den empfohlenen Richtwert der WHO), um schon eine sehr kritische Phase zu erreichen. Ehe man bemerkt, was mit einem los ist, ist es aber oftmals schon passiert! Was mit lustigen geselligen Abenden begann, endet nicht selten mit schamhaften Suchttrinken schon morgens beim Erwachen. Der Körper und die Psyche schreien nach Alkohol - die Abhängigkeit ist da!

Aber nicht jeder Mensch, der Alkohol trinkt, rutscht auch in die Abhängigkeit ab. Warum ist das so? Warum haben manche Menschen keine Probleme damit, ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle zu halten und andere Menschen wiederum nicht? Die Ursache ist multifaktoriell, d.h. man vermutet das Zusammenspiel mehrer Faktoren im Leben eines Individuums, nämlich die Genetik, das soziale Umfeld, die eigene Persönlichkeit, genauso wie ungute einschneidende Ereignisse, die das Leben prägen. Ein Mensch, der beispielsweise in seiner Ursprungsfamilie schon mit Alkoholikern aufgewachsen ist, ständig Streit und Stress erlebte, in der Schule gemobbt wurde und kein Selbstwertgefühl aufbauen konnte, ist eher gefährdet dem Alkohol zu verfallen, als ein Mensch, der weder Alkoholiker kennt, in einem liebevollen familiären Umfeld aufgewachsen ist, es gelernt hat sich souverän mit Konflikten und Herausforderungen auseinanderzusetzen und die Chance hatte, seine Persönlichkeit (z. B. mit Sport oder Musik) zu stärken. Nun ist jeder Mensch einzigartig und jedes Leben verläuft anders. Es gibt deshalb auch keine Prognose, welches Kind im Erwachsenenalter alkoholkrank wird und welches nicht. Zum Glück! Denn es gibt beispielsweise auch Menschen, die mit alkoholkranken Eltern aufgewachsen sind, und niemals mit dem Alkoholtrinken begonnen haben oder den Konsum stets unter Kontrolle haben. Auf der anderen Seite kennt man ebenso Berichte, wie Personen, die nie Probleme mit dem Alkohol hatten, plötzlich zum Trinker/zur Trinkerin werden. Manchmal steckt ein schmerzhaftes Erlebnis wie der Tod einer nahestehenden Person dahinter, eine Trennung vom geliebten Partner, ein Kriegserlebnis, ein Unfall oder aber auch Krankheiten wie Depression, Angst, Demenz, um nur einige zu nennen. Kurzum, je mehr unguten und stressreichen Faktoren jemand in seinem Leben ausgesetzt ist, desto höher ist die Anfälligkeit einer Sucht zu verfallen. Merken Sie sich: Nur die Anfälligkeit eines Menschen ist erhöht. Es handelt sich nicht um sein vorbestimmtes Schicksal!

 

Welche Symptome zeigen sich bei einer Alkohol-Abhängigkeit?

Man spricht von einer Abhängigkeit, wenn mindestens drei dieser Symptome über einen Zeitraum von mindestens einem Monat zu beobachten sind (oder wiederholte Male innerhalb von 12 Monaten):

  1. Craving: das starke Verlangen, Alkohol zu konsumieren, also die Gier nach einer psychotropen Substanz, nennt man "Craving".
  2. Kontrollverlust: man hat immer seltener die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum, d. h. man trinkt immer mehr und häufiger als geplant.
  3. Körperliche Entzugssyndrome: man bemerkt körperliche Entzugssymptome. Häufig ist es das Zittern der Hände, Kopfschmerzen, Schwitzen, Übelkeit, Würgen, Unruhe, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Krampfanfälle, Halluzinationen usw.
  4. Toleranzentwicklung: wie das Wort es schon zum Ausdruck bringt. Man braucht immer mehr Alkohol, um sich in den Rausch zu trinken oder einen anderen gewollten Effekt (Schüchternheit oder Angst ablegen, Mut antrinken etc.) erreicht.
  5. Einengung der Gedanken: die Gedanken kreisen nur noch um das eine Thema, nämlich "Alkohol". Der Abängige/die Abhängige fragt sich ständig nur, wann und wo er endlich wieder Gelegenheit hat etwas zu trinken. Andere Interessenbereiche (und soziale Kontakte) werden vernachlässigt.
  6. Anhaltender Konsum: in der Regel ist es dem Abhängigen/der Abhängigen bewusst, trotzdem duldet er (sie) "dem Alkohol zuliebe" die schädlichen Folgen. Die Sucht hat die Oberhand gewonnen. Oftmals kommen mit der Sucht auch der Verlust vom Arbeitsplatz, die Trennung des Partners (der Familie, Freunde), die Gefährdung der Gesundheit, Suizidalität und der soziale Abstieg. Quelle: Diagonosekriterien der Abhängigkeit, ICD-10, Kapitel F

Wenn Sie beim Gedanken daran, dass Sie einen Tag lang ohne Alkohol auskommen sollen, Panik bekommen, dann sind Sie von dieser giftigen Substanz abhängig. Die schädlichen Folgen, die nach jahrelangem Alkoholmissbrauch unweigerlich auftreten werden, sind prägend. So können, neben dem Verlust des Selbstwertgefühls und dem sozialen Abstieg, auch Krankheiten wie Leber- und Nierenschäden, sämtliche Krebserkrankungen aber auch Schäden am Gehirn, wie beispielsweise die Alkoholdemenz, auftreten. Je früher man seine Sucht erkennt und entsprechende Maßnahmen zur Abstinenz einleitet, desto wahrscheinlicher ist der Heilungsprozess und die Regenerierung. Aber nicht nur die eigene Person ist von den schädlichen Folgen der Sucht betroffen. Viele Menschen im Umfeld der abhängigen Person leiden lange Zeit mit. Familien zerbrechen, Freunde wenden sich ab, Partner sind verzweifelt, Eltern machen sich Vorwürfe. Der alkoholabhängigen Person ist das nicht völlig egal, aber sie kann mit den Schuld- und Schamgefühlen, dem Kummer und den Sorgen, nicht anders umgehen, als immer wieder zur Flasche zu greifen. Probleme werden im wahrsten Sinne des Wortes runtergeschluckt!

Ein elender Kreislauf der Sucht wurde langsam aber sicher in Gang gesetzt, der ohne Zeitverlust sofort unterbrochen werden muss. Gerade in den Phasen, wo bereits Anzeichen einer körperlichen Abhängigkeit wahrnehmbar sind, ist ein Entzug in einer Klinik, unter der Aufsicht von Ärzten, unabdingbar. Denn bei einer Entgiftung des Körpers vom Alkohol kommt es nicht selten vor, dass der oder die Betroffene in ein Delir fällt, also sozusagen einen "Kollaps des Körpers" durchlebt, was unbehandelt zum Tode führen kann.

Hörbuch-Tipp zum Thema: Hörbuch-Empfehlung zum Thema - Alkohol, dich braucht kein Mensch!

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© Text. Autor: Sandra Ernst – Vervielfältigung und Weitergabe untersagt.

Foto Mann mit Kapuze: iSstock